Klartext Punkrock

Review

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>>> KLARTEXT PUNKROCK/ KRÜCKENKRIEGER, Eberswalder Punkrock [Limited Split-Tape] <<< by Danny B. schafe-schuesse.de

Im brandburgischen Eberswalde scheint sich eine quicklebendige Punk-Szene gebildet zu haben, zumindest gibt es für eine solch‘  verhältnismäßig „kleine“ Stadt beachtlich viele Bands, die den Punkklängen frönen. Daran hat sicher nicht zuletzt das kulturerweiternde „Exil“ (eine Clublocation in Eberswalde) seinen Anteil, denn dort spürt man noch den Ursprungsgeist zwischen Innovation und dem Flair früherer Jugendclubkonzerttage, das alles geht mit viel Liebe und Leidenschaft einher und ist nicht auf den schnellen Euro aus. Sympathisch eben!

Die an diesem Splittape beteiligten Bands sind zwei Vertreter, die für den Eberswalde-spezifischen Sound in Sachen Punk Rock stehen. Zum Einen sind das die 2.005 gegründeten „Klartext Punkrock“, die bei Elb Power Records bereits einen Labeldeal haben und zum Anderen die offenbar erst seit 2.011 bestehenden Krückenkrieger, die noch in D.I.Y. Art ihre Mucke unter’s pogowillige Volk bringen. Soweit zu der faktenkomprimierten Kurzversion der hier zu hörenden Bands.

Allein schon die Tatsache eine Tape (= Kassette) als Tonträgermedium zu wählen, punk-tete im Direktzug bei mir vor, so dass es einen sofort an die eigenen Anfänge eigener D.I.Y. Tape-Alben im Zusammenhang mit Walkmantagen erinnerte. Dann aber auch noch ein Split Tape an den Start zu bringen, sicherte zunächst einmal den Unikatstempel auf weiter Flur. In sofern haben beide Bands alles richtig gemacht.

Klartext Punkrock eröffnen die A-Seite mit „Marionette“ (Track 1), das vor allem von der guten Produktion lebt und mit der Stimme von Frontmann Kevin den Punk ala alter Slime Grosstaten in die Erinnerung zurückholt. Das macht auf jeden Fall mega Böcke! Da es aber die Abwechslung macht, kommen Krückenkrieger mit „Hau‘ drauf“ (Track 2) zum Zuge und bringen vom Sound her zusätzlichen Ursprungsflair auf, der mich schwer an so manche ’80er Punkband erinnert. Bei Krückenkrieger kommt vor allem der authentische Dialekt schön durch, was sich hintenrum in den Kopf einschlecht und kackfrech dort hocken bleibt.

Mit „Kuschenltier“ (Track 3; Anspieltip I) hissen Klartext Punkrock die Klischeefahne und zeigen sie dem alltäglich umgebenden Spießervolk, das oberflächlich das Altklischee vom Asselpunk abweisend mit sich rumträgt. Das mag man als Berliner nicht mehr so recht für die echte Realität halten wollen, aber gerade in den kleinen Städten und Dörfern ist Ablehnung aufgrund von banalen Äusserlichkeiten tatsächlich noch tägliches Thema! Thematisch schliessen die Krückenkrieger sich auf ihre Weise an mit „Scheiße bis zum Hals“ (Track 4) der Thematik an und erweitern diese um einige Blickwinkel. Die A-Seite dieses Tapes machen Klartext Punkrock mit dem partyseligem „Suff“ (Track 5) zu, das bestens auf so manchen Party-Punksampler passen würde Wer bei dem Liedchen keinen Bock auf Party bekommt, der/ die kann direkt zu Hause bleiben, denn ein toter Fisch hat dann auch echt mehr Leben in sich… 😉

Die B-Seite eröffnen Krückenkrieger mit ihrer Bandyhymne „Krückenkrieger“ (Track 1; Anspieltip II), die ich mir gut auf einem Schlachtrufe BRD Sampler vorstellen könnte. Musikalisch zwar recht einfach gestrickt, aber das hat den Punk noch nie vom Pogen abgehalten. 😉 Dass es logischerweise auch offen bekennende Brücken zwischen beiden Bands gibt, zeigt der Refrainsatz: „Mord und Totschlag, Krückenkrieger…“, wenn man dann den Klartext Punkrock Songtitel “ Mord & Totschlag“ (Track 2; Anspieltip III) liest, der zunächst wie eine offene Freundschaftsbekundung an Krückenkrieger wirkt. Die Thematik des Songtitels selbst setzen Klartext Punkrock allerdings auf eigene Weise um und verpacken es geschickt im Geschichtenformat, was mich einmal mehr an eigene Anfänge erinnert. Zuhören lohnt sich auf jeden Fall! Immer mehr entsteht ein thematischer, roter Faden, dessen Fortführung abwechselnd von beiden, beteiligten Bands bedient bzw. umgesetzt wird. Zu Beginn von „Unsere Welt“ (Track 3; Anspieltip IV) der Krückenkrieger vernimmt man eine Stimme, die man schon einmal irgendwo vernommen hat. Man weiß, dass die Stimme irgendwo vom Meer der Politsee entstammt, weshalb man kurz ins Grübeln kommt wessen Stimme das ist?! Das Grübeln weicht dem Auflachen… unglaublich, dass eine Politikerin allen Ernstes so etwas im Redeschwall abgelassen hat, haha! Zwar hätten Krückenkrieger daraus locker ’ne schöne Partynummer drehen können, halten aber an ihrem Kurs fest, der in diesem Fall dem Sarkasmus zutönt, das aber ganz und gar nicht schlecht.

Klartext Punkrock verabschieden sich vom Band dieses Tapes mit „Ich lache“ (Track 4; Anspieltip V). Ein Vollzünder, schon im ersten Anlauf. Das Thema entdeckt Ihr am Besten selbst beim Anchecken! 😉 Das letzte Wort auf diesem Tape gehört Krückenkrieger, die mit „A.O.S.“ (Track 5) den perfekten Vorglühsong raushauen, um schön old school-punky ins Weekend zu starten.

Alles in allem ein klasse Tape, das (anders wie in den ’90ern noch) nicht dem Ausleier-Verfall zum Opfer fallen dürfte, zumal es Gott sei Punk heutzutage auch das MP3 Format gibt. Dennoch wird dieses Tape nun öfter meine Ohren durch die Schallmauer jagen. Klasse Ding, ein Must Have! Allerdings solltet Ihr Euch mit Bestellen beeilen, zumal das Tape auf 100 Stück limitiert ist und mein Tape schon die handnummerierte „56“ trägt.

 

>>> Februar/März 2014 © by (Ox-Fanzine / Ausgabe #112)  EINE ZENSUR FINDET NICHT STATT Punkrock auf dem Index <<<

Das Thema Zensur spielte rund um den Punk schon immer eine Rolle. Denn Punk ist im besten Falle ungemütlich und kritisch. Schließlich tut Punk das, was Künstler anderer Genres vergleichsweise selten tun: Er stellt den gesellschaftlichen und politischen Status quo im Lande in Frage und versucht, Missstände und besorgniserregende Tendenzen aufzuzeigen. Vom staatlichen Sanktionsapparat über … lesen

 

>>> 8. September 2013 by Pressure Magazine <<<

Die Punkrockband Klartext Punkrock aus Eberswalde veröffentlicht mit „Der Staat ist tot“ ihr neues Album. Es enthält 16 Titel, hat eine Laufzeit von 42 Minuten und erscheint beim Label Elb-Power Records.

Die vier Männer spielen seit 2005 zusammen und präsentieren mit „Der Staat ist tot“ ein sehr direktes Album. Hier ist der Bandname wirklich Programm, denn mit Songs wie „Kalte Stadt“, „Zeichen der Gewalt“ oder „Bahnhofstrasse“ gibt es Texte, die deutlich und klar verständlich sind. Getreu dem Motto „Love Music Hate Fascism“ spielt die Band seit sieben Jahren ihren Sound und spricht ihre Meinung gerne aus. Ich sehe den Sound eher als Punk und nicht als Punkrock, denn sie meisten Songs sind schnell und rau, das ganze mit einer punk-typischen Stimme des Sängers. Klar gibt es viele Anleihen und Ausflüge in den Punkrock-Bereich, aber stilistisch kann man die Musik als Punk bezeichnen. Coversongs gibt es mit „Diese Stadt“ (Lümmels), „Ich lache“ (Exkrement Beton) und „Karnickel“(Schleimkeim).

Dieses Album erreicht drei Sterne und liegt somit im guten Mittelfeld, zu mehr reicht es meiner Meinung nicht. Der Sound ist zwar punkig, aber schafft es nicht, mich mit Melodien oder überwiegend guten Songs vom Hocker zu hauen. Die drei angesprochenen Titel sind meine Anspieltipps, mit dazu kommen höchstens noch„Bagdad“ und „Grüne Schatten“. Cover und Artwork sind gut und beinhalten alle Infos und Songtexte.

Review von Florian Puschke